
|
|
| Bücher zum Thema: |
Die Vorserien-E 03
Die Rede ist jetzt nicht von Gina Lollobrigida, sondern vom damaligen Highlight der Münchener Verkehrsausstellung, der Baureihe E03 der DB, eine der schönsten Loks der DB überhaupt, zumindest in der beige-roten Lackierung (mal wieder die unmaßgebliche persönliche Meinung des Autors). Ende der fünfziger Jahre nahm die DB alte Planungen für ein Schnellfahrnetz wieder auf. Mit bequemen, 160 bis 200 km/h schnellen Fernzügen sollte das Netz zwischen den Großstädten aufgebaut werden. In Rahmen einer Ausschreibung reichte Henschel zusammen mit SSW, die für die elektrische Ausrüstung verantwortlich waren, auf Basis gründlicher Vorarbeiten an den Drehgestellen das beste Angebot ein. 1963 bestellte die DB die vier Prototyplokomotiven E 03 001 bis 004 bei Henschel. Wegen der geforderten Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h und hohen Beschleunigung benötigten die Loks die große Antriebsleistung von rund 6.400 kW. Da die Gleisbeanspruchung möglichst gering sein sollte durfte die Achslast 18 t nicht übersteigen. Nach dem damaligen Stand der Technik erfüllte nur eine sechsachsige Drehgestell-Lok der Achsfolge CO'CO' diese Forderungen. Henschel war für den mechanischen Teil der E 03 verantwortlich und entwickelte auch die Drehgestelle der Lok, die als erste DB-Lok Zug-/Druckstangen zur Kraftübertragung erhielt. Die Lok war das Not-Plus-Ultra des damaligen Lokomotivbaus. Mit ihrer ausgefeilten aerodynamischen Form,der Leistung von über 6400 kW, die eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h ermöglichte, mehreren unabhängigen Bremssystemen und einem neuen Hochspannungsschaltwerk wurde sie der Öffentlichkeit nicht als simple Schnellzuglok, sondern als Schnellfahrlok vorgestellt. Während der Ausstellung bot die DB Sonderfahrten mit der E03 und drei A4üm (Erste-Klasse-Schnellzugwagen) ins 62 km entfernte Augsburg an. Auf dieser Fahrt wurde regelmäßig eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h erreicht, was den Fahrgästen auch per Lautsprecher durchgesagt wurde. Die Lok war die Sensation der Schau. Die DB bestellte die als Baureihe 103 bezeichnete Serienausführung der Lok, deren Lieferung 1970 einsetzte. Ihre Leistung konnte auf 7.440 kW (einstündig) gesteigert werden. Insgesamt wurden 145 Loks (103 101 bis 245) in mehreren Serien geliefert, davon allein 62 Stück von Henschel. Die von Henschel mit Getrieben für 250 km/h ausgerüstete 103 118 erreichte 1985 bei Versuchsfahrten 283 km/h bei ausgezeichneten Laufeigenschaften. Im Gegensatz zur Serie hatten die Vorserienloks nur eine Lüfterreihe pro Seite Lange Jahre war sie das zuverlässige Aushängeschild vor TEE/ICs bei der DB. Erst 2003 endete mit der umfangreichen Auslieferung der Baureihe 101 die Karriere der 103. Die historische E 03 001 wird weiter für Nostalgiefahrten betriebsfähig erhalten.
Technische Daten:
* Am 14.06.1985 erreichte die 103 003 auf einer Testfahrt eine Höchstgeschwindigkeit von 283 km/h Michael Neuhauss |
|