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Der EuropazugGeorge Catlett Marshall, der "Ex-General" und ehemalige US-Außenminister initiierte 1947 die nach ihm benannte Marshall-Plan-Hilfe für das kriegszerstörte Europa. Das ERP (European Recovery Program - Europäisches Wiederaufbauprogramm), wie der Marshall-Plan offiziell hieß, hatte drei wesentliche Ziele:
Für ein ungewöhnliches Informationsmedium entschied sich die 1948 in Paris gegründete "Organisation für Europäische Wirtschaftliche Zusammenarbeit" (OEEC), um europaweit auf ihre Ziele zur möglichst effektiven Durchführung des Marshallplanes aufmerksam zu machen: ein Zug wurde durch 17 Länder geschickt, er fuhr von Rom bis Oslo. Bis 31. März 1951 hatten bereits 2,5 Millionen Europäer diese Ausstellung gesehen, die für eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit durch den Abbau von Handelsschranken und für einen gemeinsamen Zahlungsverkehr in Europa warb. Die OEEC stellte damit kurz nach dem Zweiten Weltkrieg die Weichen für die spätere wirtschaftliche Einigung in Europa. Der "Europazug" transportierte die Botschaft von "der Zusammenarbeit der Völker für wirtschaftlichen Wiederaufbau, für Frieden und Freiheit" als massenwirksames Werbemittel. Der aus sieben Wagen bestehende "Europazug" beherbergte die fahrbare Marshall-Plan-Ausstellung. Der Zug begann von München aus seine Reise durch 15 westdeutsche Großstädte und Berlin. Danach besuchte er auch die 16 am Marshallplan beteiligten europäischen Länder. Zur Vermittlung eines anschaulichen Bildes von der "Zusammenarbeit freier Völker" legte der Zug in seinem Inneren und seiner äußeren Aufmachung Beweis ab für die fortschreitende Entwicklung Europas seit dem Ende des zweiten Weltkrieges. Bewegliche Modelle sowie besondere Beleuchtungs- und Toneffekte, dazu einzigartige, auf Knopfdruck reagierende Apparaturen fesselten die Besucher vom ersten bis zum letzten Augenblick. Eröffnung der ERP-Schau des Marshallplanzuges am 14.09.50 in Bonn
© Slg. Klaus Wedde von links nach rechts: General Hays, Bundespräsident Prof. Heuß, Vizekanzler Blücher, Bundesminister Wildermuth und Bundesminister Lukaschek. Bild vergrößern "Europazug" startet in München Anlässlich einer Pressekonferenz bestätigte der Leiter der Informationsabteilung der Marshallplan-Verwaltung (ECA - Economic Cooperation Administration) in Paris, Peter Harden, am 17.04.1951 in München, dass der "Europazug" von München aus zu einer voraussichtlich zweijährigen Fahrt durch Europa starten wird. Der "Europazug", eine fahrende Marshallplan-Ausstellung, wurde am 21. April 1951 mit einem Festakt im Münchner Hauptbahnhof durch den holländischen Außenminister und Präsidenten der OEEC, Dirk Stikker, feierlich eingeweiht. Am 23. April begann der Zug seine Fahrt durch die Bundesrepublik und nach Westberlin. Im Juli 1951 setzte er seine Reise durch die in der OEEC (Organisation for European Economic Cooperation - 1948 in Paris gegründete Organisation zur Abwicklung der Marshall-Plan-Hilfe) zusammengeschlossenen 16 westeuropäischen Länder fort. Der Ausstellungszug war im Auftrage der ECA und OEEC von der Maschinenfabrik Augsburg in Nürnberg aus zerschossenen deutschen D-Zug-Wagen hergerichtet worden. Die während des Krieges völlig zusammengeschossenen Eisenbahnwaggons wurden von der Bundesbahn zur Verfügung gestellt, von der MAN in Deutschland umgebaut und in Frankreich und England ausgestattet. Der auf dem Münchner Hauptbahnhof stehende "Europazug" nach der Einweihung.
Der holländische Außenminister Dr. Dirk Stikker (links) und Vizekanzler und ERP-Minister Franz Blücher am Europa-Telefon, durch das man Stimmen von Politikern zur europäischen Frage hören konnte. Das Bild zeigt die ersten Besucher in München und eine symbolische Darstellung eines Hausbaues, an dem sich Vertreter aller Marshallplan-Länder beteiligten.
Ein Druck auf einen Knopf setzte die hölzernen Figuren in Bewegung.
Hunderte Gesichter von Europäern schienen die Besucher von oben anzusehen. Die etwas außergewöhnlich andere Dekoration dieses Wagens fand große Beachtung.
Nun hatten schon mehr als eine halbe Million Menschen den aus sieben Wagen bestehenden "Europazug" besichtigt, die fahrbare Marshall-Plan-Ausstellung, die vom 22. Juli bis 12. August auch nach Westberlin kommen sollte. Während der vergangenen zweieinhalb Monate war der Zug in mehr als einem Dutzend größerer Städte Westdeutschlands ausgestellt worden. Zur Vermittlung eines anschaulichen Bildes von der "Zusammenarbeit freier Völker" legte der Zug in seinem Inneren und seiner äußeren Aufmachung Beweis ab für die fortschreitende Entwicklung Europas seit dem Ende des zweiten Weltkrieges. Bewegliche Modelle sowie besondere Beleuchtungs- und Toneffekte, dazu einzigartige, auf Knopfdruck reagierende Apparaturen fesselten die Besucher vom ersten bis zum letzten Augenblick. Viele Besucher waren überrascht, wenn sie in dem Zug vor den knopfartig angeordneten Bildern maßgeblicher Persönlichkeiten aus aller Welt standen - denn einige dieser "Knöpfe" waren nichts anderes als Spiegel, die dem Besucher vor Augen führen sollte, wie sehr es bei dem Marshall-Plan auf ihn, den Einzelnen, ankommt. Bundespräsident Heuss besuchte Marshallplanzug in BonnBundespräsident Prof. Theodor Heuss stattete am 13. Juni in Begleitung mehrerer Regierungsmitglieder dem in Bonn stationierten Marshallplanzug einen Besuch ab. Das Bild zeigt Bundespräsident Prof. Theodor Heuss bei seinem Rundgang durch den Zug. Neben ihm der amerikanische General George P. Hays und Vizekanzler Blücher. Der ERP-Sonderzug in Berlin Der "Europazug" der Marshall-Plan-Verwaltung, der seit mehreren Monaten in den großen Städten Westdeutschlands und Westeuropas gezeigt wurde, traf am 21.07.51 nach unbehinderter Fahrt durch die Sowjetzone auf dem Westberliner Güterbahnhof in Moabit ein. Am frühen Morgen hatte er die britische Zone verlassen und erreichte Westberlin etwa vier Stunden später. Die sillberblauen Wagen der rollenden ERP-Ausstellung wurden auf schweren Spezialfahrzeugen zum Messegelände am Funkturm überführt, wo bereits ein Gleis ausgelegt worden war. Lok 74 1105 hat den Ausstellungszug fertig rangiert.
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© Slg. Klaus Wedde Bild vergrößern Diese Bilder zeigen einen Wagen des "Europazuges", der gerade für den Transport zum Ausstellungsgelände auf ein Spezialfahrzeug ("Culemeyer-Straßenroller") gezogen wird.
Auf Sonderfahrzeugen rollte der "Europazug" Wagen für Wagen durch die Straßen Berlins zum Ausstellungsgelände. Hier ein Wagen des "Europazuges", wie er gerade in die Straße "Alt Moabit" einbiegt.
Der aus sieben silberblauen Wagen bestehende Zug zeigte in seiner Ausstellung den wirtschaftlichen und den sozialen Fortschritt in den ERP-Ländern. Die Überführungsfahrt des auf dem Bild gezeigten Wagens führte durch die Straßen Berlins, über die Schlossbrücke in Charlottenburg bis hin zum Funkturm. Der Zug wurde vor dem Messegelände am Funkturm wieder zusammengesetzt, wo er am Mittwoch, dem 25. Juli, um 10 Uhr feierlich zur Besichtigung durch die Öffentlichkeit freigegeben wurde. Marshallplanzug in Berlin eröffnet Der "Europazug" am Funkturm wurde am 25.07.51 der Öffentlichkeit zur Besichtigung freigegeben. Viele interessierte Berliner warteten geduldig auf Einlass.
Die Berliner Ausstellung des Marshallplanzuges wurde vor den Berliner Ausstellungshallen am Funkturm vom Bundesbevollmächtigten in Berlin, Dr. Heinrich Vockel, dem ERP-Senator Dr. Hertz und dem Leiter der Wirtschaftsabteilung der Berliner Hicog-Dienststelle, Rey Smith, eröffnet. Vertreter der Stadt Berlin, der Militärregierungen und der diplomatischen Missionen der Marshallplanländer in Berlin hatten sich zur Eröffnungsfeier eingefunden. Anlässlich der "Europazug"-Ausstellung am Messedamm fand für die Kinder ein Ballon-Wettbewerb statt. Luftballons mit ihren Adressen versehen nahmen den Weg ins Ungewisse. Wo sollten sie wohl alle landen? Welcher sollte die weiteste Strecke zurücklegen? Eine Million Besucher im "Europazug" Der "Europazug" konnte am 07.08.51 den einmillionsten Besucher verzeichnen. Die Leitung der Berliner Ausstellungshallen, auf deren Gelände der Zug vor dem Funkturm steht, überreichte einem arbeitslosen politischen Flüchtling aus der Sowjetzone einen großen Radiosuper, ein Acht-Röhren-Rundfunkgerät, als er sich heute Vormittag die Ausstellung ansehen wollte. Allein in Berlin haben bisher über 358.045 Menschen die rollende Europa-Ausstellung besucht. Begrüßung des einmillionsten Besuchers des "Europazuges" der Marshall-Plan-Verwaltung.
Freudig nimmt der überraschte Besucher das moderne Röhrengerät entgegen.
Klaus Wedde Wir danken Herrn Klaus Wedde herzlich für diesen wirklich interessanten Beitrag! |
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