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Die NebenbahnretterWohl kaum ein Schienenfahrzeug ist besser mit der Epoche 3 zu identifizieren als der VT 95 und der VT 98 mit ihren Bei- und Steuerwagen. Ihre Brüder bei der DR hießen VT 133 und VT 135. Nun weiß wohl fast jeder, wie ein Schienenbus aussieht, aber was genau ist eigentlich ein Schienenbus? Ein Blick in ein Lexikon gibt Auskunft: Soweit die Definition. Die wichtigste Voraussetzung war ein Verbrennungsmotor.
Das erste Fahrzeug, welches diesen Anforderungen gerecht wurde, war der Wismarer, auch "Schweineschnäuzchen" oder "Ameisenbär" genannt, der erstmalig 1931 in den Einsatz kam. Im Nachkriegsdeutschland gab es im amerikanisch/britischen Sektor noch ganze 210 von ursprünglich 800 Dieseltriebwagen, davon waren 30 betriebsfähig. In dem schon bei der V 80 und V 200 erwähnten Typenplan war auch ein Leichttriebwagen vorgesehen, der Schienenomnibus der späteren Baureihe VT 95. Im Jahre 1949 wurde die sowohl auf dem Gebiet "Personenbeförderung im Straßenverkehr" als auch im Bereich Eisenbahn- und Straßenbahnwagenbau erfahrene Waggonfabrik Uerdingen als geeignet befunden, das Neubauprogramm zu verwirklichen. Die Vorgaben technischer und auch preislicher Art orientierten sich an den Straßenomnibussen. Die Anzahl der Sitze sollte etwa 50% höher sein als bei Straßenomnibussen, eine Toilette war vorhanden. Die Sitze waren umklappbar, so dass man immer in Fahrtrichtung saß, eine Annehmlichkeit, die die heutige Bahn vermissen lässt.. Mit dem gerade von Büssing ausgelieferten U9 Unterflurmotor mit 110 PS sollten die Fahrzeuge ausgestattet werden. Durch seine Konstruktion ermöglichte er eine vollkommene Trennung zwischen Fahrgestell und Fahrgastraum. "Retter der Nebenbahnen"Der Schienenbus VT 95Ab Februar 1952 lieferte die Waggonfabrik Uerdingen den einmotorigen Schienenbus der Baureihe VT 95 (später: 795) in einer ersten Serie von 60 Exemplaren aus. Diese trugen zunächst die Ordnungsnummern 913 - 972. Als absehbar wurde, dass die Nummernreihe 901 ff. in Kürze erschöpft sein würde, ging die DB auf die 4-stelligen Nummern 9113 - 9172 über. In der Folgezeit lieferten auch die Unternehmen MAN und Lüttgens weitere Exemplare dieses Schienenbusses. So wurde der VT 95 zwar zum "Liquidator" so mancher (Länderbahn-) Dampflok, jedoch konnten durch seinen kostengünstigen Betrieb etliche Nebenstrecken zunächst vor der Einstellung bewahrt werden. Bereits knappe zwei Jahre nach der Auslieferung waren die Fahrzeuge von 46 Einsatzstellen aus in Betrieb und verdrängte viele Dampflokomotiven der Baureihen 70, 71, 74, 91 und 98 aus dem Streckendienst. Nochmals zwei Jahre später - 1956 - waren es schon 56 Einsatzstellen. Und 10% aller Personenzugkilometer wurden von VT95 erbracht! 1958 waren es sogar 20%, in dieser Zeit war auch mit der Verteilung auf 80 Betriebswerke der Höchststand erreicht. Im Innenraum gab es Sitzplätze für 56 Fahrgäste. Die Sitzbänke waren in der Aufteilung 2+3 angeordnet, zusätzlich gab es noch Plätze neben dem Triebwagenführer. Es gab durch die breiten Scheiben (1205 mm) mit schmalen Streben sowie mangels Trennwand auch durch Front- und Heckscheibe einen Ausblick, wie er sonst nur in speziellen Aussichtswagen gegeben war. Bis zum VT 95 9269 gab es zusätzlich an den Stirnseiten noch Oberlichtfenster, die aber durch ihre Blendwirkung dann weggelassen wurden. Parallel zur Auslieferung des VT 95 erfolgte die Fertigung des motorlosen Beiwagens VB 142, insgesamt 564 Stück. Diese waren im Gegensatz zum späteren VS 98 nicht mit einer Steuereinrichtung ausgerüstet. Das bedeutete, dass der VT immer voran fahren bzw. bei einem Richtungswechsel an das andere Ende des Zuges umgesetzt werden musste. Die Wagen hatten 35 Sitzplätze sowie ein Gepäckabteil mit 10 Klappsitzen. Auch hier wurde im Verlauf der Auslieferung auf die Oberlichtfenster verzichtet.
Technische Daten der einmotorigen Prototypen (VT 95.9):
Technische Daten der Serien-Einmotorer (VT 95.91)
VT 98: Die Uerdinger SchienenbusseGeschichteNach diversen Modellen einer Vorserie fertigten ab 1950 die Krefelder Fahrzeugfirma Uerdingen und andere Hersteller wie MAN weit über 1000 Schienenbusse, Beiwagen und Steuerwagen, die die Deutsche Bundesbahn bestellt hatte. Angefangen hatte es bei der Auslieferung der VT 95, es wurde drei Triebwagen aus der Serie angezweigt und mit einem zweiten Motor ausgerüstet. Als VT 95 liefen letztendlich 97 Exemplare. Äußerlich mit der Scharfenbergkupplung und den Stoßfederbügeln kaum von den einmotorigen VT 95 zu unterschieden, erhielten sie aber eine verstärkte Bremsanlage mit 2 Bremsscheiben pro Achse, Magnetschienen- und Motorbremse. Ab 1955 liefen dann die ersten VT 98 vom Band. Sie waren mit Hülsenpuffern und Schraubenkupplung ausgestattet. Weiterhin sind das Fahrgestell und das Untergestell verstärkt worden, da die VT 98 für das Mitführen normaler Fahrzeuge vorgesehen waren. Auch die Vielfachsteuerung war jetzt standardmäßig eingebaut und ermöglichte es, einen Steuerwagen oder einen weiteren Motorwagen mitzunehmen. generell wurde der 150 PS starke Büssingdiesel U10 eingebaut. Die Wagenkästen sind mit denen der einmotorigen Schienenbusse identisch, nur die Außenlänge wuchs durch die Hülsenpuffer um 69 cm. Zusammen mit einem in der Mitte laufenden Beiwagen konnte 3-teilige Einheiten gebildet werden, mit einem weiteren Motorwagen dann vier - bis sechsteilige Einheiten. Der Beiwagen VB 98 erhielt den gleichen Wagenkasten wie die Triebwagen, hatten 8 Reihen mit Sitzbänken sowie ein Gepäckabteil mit Klappsitzen. Die ab 1960 ausgelieferten Beiwagen waren dann reine Großraumwagen. Ebenfalls ab 1960 wurde die Luftfederung eingeführt. Die 1956 in Dienst gestellten Beiwagen wiesen den gleichen Grundriss wie der Steuerwagen auf und wurden deshalb 1958 mit geringem Aufwand umgebaut. Zahlreiche Sonderanfertigungen entstanden, Beiwagen aus der Schienenbusserie wurden zu
Fahrradtransportwagen umgerüstet, Schienenbusse wurden für den 1-Mann-Betrieb mit
Rückspiegeln und pneumatischen Türschlosssystemen ausgerüstet, ganz wenige
Schienenbusse erhielten einen Winterthur-Zahnradvortrieb für den Bergbetrieb, andere
Schienenbusse wurden mit einer lastabhängigen Federung ausgerüstet. Die Fahrgäste der Schienenbusse im westlichen Nachkriegs-Deutschland waren eine
klassenlose Gesellschaft, denn in den Schienenbussen gab es nur die 2. Wagenklasse. Die
Innenraumgestaltung des Schienenbusses erleichterte zwischenmenschliche Kontakte, denn es
gab keine Abteile, nur einen großen Fahrgastraum, keine Einzelsitze, dafür Sitzbänke. Die
Fahrgäste im Schienenbus hatten freien Blick auf die Strecke, keine Trennwand - anders als im
ostdeutschen Pendant VT 772 - trennte den Platz des Triebwagenführers von den Plätzen der
Fahrgäste. In den 50er Jahren begann im westlichen Deutschland ein Autoboom, selbst eine tiefe Rezession Mitte der 60er Jahre konnte diesen Trend nur vorübergehend etwas abbremsen. Das Klientel der Schienenbusbenutzer schrumpfte auf die Teile der Bevölkerung, die noch keinen Führerschein hatten, die keinen Führerschein mehr hatten oder die sich kein eigenes Auto leisten konnten. Die Folgen sind bekannt, immer mehr Strecken verwaisten, wurden stillgelegt, die Entwicklung des Schienenbusses wurde kaum noch forciert, 1999 fuhr der letzte Schienenbus zur Personenbeförderung der wiedervereinigten deutschen Staatsbahn. Einige ausrangierte Schienenbusse wurden zu Indusi-Meßwagen und zu Service-Mobilen an den Hochgeschwindigkeitsstrecken bei der DB AG umgerüstet. Aber schon Jahre vor diesem vermeintlichen Aus begann der Schienenbus zum Kultobjekt zu avancieren. Zuerst kamen wenige der Roten Brummer in die Eisenbahnmuseen der Republik, Mitte der 90er Jahre begann im westbrandenburgischen Putlitz die private Prignitzer Eisenbahn regelmäßigen Personenverkehr nach Fahrplan mit ausgedienten und renovierten Schienenbussen der DB AG. Der totgeglaubte Schienenbus war wieder auferstanden, die Roten Brummer waren mit blauem Außenanstrich zu den Blauen Brummern der Prignitz mutiert.
Technische Daten der zweimotorigen Schienenbusse (VT 98.9 und 98.95)
Die Schienenbusse der DRZweiachsige Triebwagen spielten weder bei der DR in der sowjetischen Zone noch bei der DR der DDR anfangs eine Rolle. Man hatte ja einstige DRG-Fahrzeuge sowie die ca. 60 Triebwagen der zwangsverstaatlichten Privatbahnen. Zum Teil handelte es sich noch um benzinbetriebene Fahrzeuge. Aber allm„hlich dämmerte es auch der DR, das sich diese Typenvielfalt nicht wirtschaftlich unterhalten ließ. Es sollte nun doch eine neue Baureihe entwickelt werden um den Nebenbahnbetrieb wirtschaftlicher zu machen. Die SED fasste 1955 also einen Grundsatzentschluß und auf dieser Basis konstruierte und baute die VEB Waggonbau Bautzen den Prototypen eines LVT (Leichtverbrennungstriebwagen). Nach einigen Versuchsfahrten und Betriebserprobung kam der als VT 2.09.001 bezeichnete Triebwagen zum BW Haldensleben. Im Frühjahr 1959 wurde auf der Leipziger Messe der zweite Prototyp vorgestellt und als VT 2.09.002 von der Reichsbahn übernommen. 1962 wurde die 5 Stück umfassende Nullserie in Betrieb genommen. Weitere 63 Serienwagen folgten bis 1964. Zu den insgesamt 70 VT lieferte die Waggonbau Bautzen die gleiche Anzahl an Beiwagen. Sie wurden mit den VT zu zwei - oder dreiteiligen Einheiten zusammengekuppelt, was auf den Endbahnhöfen das Umsetzen des Motorwagens erforderte (entsprechend dem VT 95 der DB). Eine ebenfalls mögliche Kombination war Motorwagen - ein oder zwei Beiwagen - Motorwagen. Hier entfiel zwar das Umsetzen. Mangels einer Vielfachsteuerung musste aber der zweite Motorwagen mit Personal besetzt werden. Auch 1964 kam eine weiterentwickelte Variante aus dem Bautzener Werk, diese war jetzt mit einer Steuerung einer zweiten Motoranlage von einem Führerstand aus ausgerüstet. 1965 wurde daraus eine 14 Stück umfassende Serie. Diese wurde als VT 2.09.1 bezeichnet. Erst 1968/69 wurden noch weitere, nochmals überarbeitete Exemplare der nun als 2.09.2 bezeichneten Triebwagen von der DR beschafft. Von 1965 an wurden auch noch 89 Steuerwagen VS 2.08.1 bzw. VS 2.09.2 beschafft, damit die Einheiten mit nur einem Motorwagen nicht mehr an den Endbahnhöfen umsetzen mussten.
Die Fahrzeuge werden untereinander mit der "Schaku" (Scharfenbergkupplung) gekuppelt, besitzen aber für Notfälle eine Hilfs-Schraubenkupplung. Angetrieben werden die Motorwagen von einem unterflur eingebauten 180 PS starken Dieselmotor des VEB Elbewerk Roßlau. Nur die beiden ersten Fahrzeuge (2.09.001.und 2.09.002) hatten andere Motoren: Der 001 hatte den bekannten 150 PS Büssing U10 Dieselmotor, der 002 einen 180 PS starken Dieselmotor des VEB Dieselmotorenwerk Berlin-Johannisthal. Die Kraftübertragung erfolgte über ein mechanisches Sechsganggetriebe. Der Fahrgastraum ist mit in Abteilform angeordneten Bänken ausgerüstet, die Sitzreihung ist 2+3. Pro Wagenseite gibt es zwei elektropneumatisch bestätigte Drehtüren. Trennwände zwischen Fahrgastraum und Führerständen waren nicht von Anfang an vorhanden, sie wurden erst nachträglich eingebaut. Bei - und Steuerwagen besitzen auch ein Traglastenabteil mit Klappsitzen und einer Sitzbank an der Stirnwand.
Technische Daten des LVT 2.09.001-070 der DR im Überblick:
Michael Neuhauss |
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